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Projektdaten

Das Projekt wird von der Wüstenrot Stiftung gefördert.

Projektleitung: Prof. Dr. Georg Vrachliotis
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dipl.-Ing. Martin Kunz, Dr. Joachim Kleinmanns
Projektkoordination: Julia Schiffer

Laufzeit: 2015 -

Frei Otto. Denken in Modellen

Frei Otto (1925-2015) zählt zu den international renommiertesten und innovativsten deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts und ist eine zentrale Figur für die Baukultur des Landes Baden-Württemberg.
Frei Otto Hoch-Tiefpunkt-Studie

Im März letzten Jahr bekam er für sein Werk den Nobelpreis der Architektur, den sogenannten Prizker-Preis, verliehen - die weltweit höchste Auszeichnung. Anlässlich dieser Ehre findet vom 5.11. bis 12.3.2017 im ZKM die bisher größte Ausstellung zum Œuvre ›Frei Otto - Denken in Modellen‹ statt, ein gemeinsames Projekt des Südwestdeutschen Archivs für Architektur und Ingenieurbau (saai) des KIT und der Wüstenrot Stiftung, in Kooperation mit dem ZKM, gefördert von der Stiftung Baden-Württemberg Stiftung.

Ziel der Ausstellung ist es einerseits, der Öffentlichkeit neue Sichtweisen auf das Werk von Frei Otto zu vermitteln und andererseits, neue Fragestellungen zur Zukunft der gebauten Umwelt zwischen Architektur, Technologie, Nachhaltigkeit und Gesellschaft zu entwickeln.  

In den 1950er Jahren prägte Frei Otto mit seinen Zeltkonstruktionen die Gartenschauen, die der jungen Bonner Republik eine Abwechslung zum Wiederaufbau boten. 1964 gründete er das Institut für leichte Flächentragwerke an der TH Stuttgart und baute es zu einer der weltweit wichtigsten Forschungsstätten für eine ökologisch geprägte Architektur und Ingenieurwissenschaft aus. Mit dem Deutschen Pavillon auf der Expo ‘67 in Montreal schuf er ein Symbol des neuen offenen Deutschlands. Dieser Eindruck wurde durch die Dachlandschaft für die Olympischen Spiele 1972 in München, die er mit Behnisch & Partner realisierte, verstärkt. In den nächsten Jahrzehnten war Otto an der Realisierung zahlreicher Bauten beteiligt, etwa der Multihalle in Mannheim (1975) oder dem Japanischen Expo Pavillon in Hannover mit Shigeru Ban (2000).

Frei Ottos Denken zeichnet sich durch eine Experimentierfreudigkeit aus, deren Methoden zwischen Architektur, Wissenschaft und Kunst zu verorten ist. Er baute eigens entwickelte Instrumente zur Erforschung selbstorganisierender Prozesse, Messtische zur Bestimmung von Kräfteverläufen, Apparate zur Erforschung pneumatischer Konstruktionsformen oder Werkzeuge zur Analyse von komplexen Netzmodellen. Die Architekturmodelle - wenn hier überhaupt noch von Modellen im klassischen Sinn die Rede sein kann - fungieren bei Frei Otto nicht nur als "statische Objekte", sondern vielmehr als "dynamische Objekte", d.h. als Prozessmodelle der gesamten Umwelt. Sie verkörpern damit eine "operative Ästhetik", die sich zwischen der Präzision von wissenschaftlichen Objekten und der Imagination künstlerischer Instrumente bewegt.

Zur Ausstellung wird eine Publikation (englisch/deutsch) mit wissenschaftlichen Texten und umfangreichem Bildmaterial zum Œuvre von Frei Otto im Verlag Spector Books erscheinen.